Meteo-Flugvorbereitung: Grundsätzliches Vorgehen

DokumenteMeteoinformationen
Grosswetterlage, Wetterprognose, Motorflugprognose, Wind + Temperaturen, METAR, TAF, GAFOR, LL-SWC (TEMSI), GAMET, AIRMET, SIGMET ........ eine Fülle von Informationen.

 

 

 

Filtern Sie die Meteoinformationen!
Wind, Sicht, Wetter, Wolken, Gefahren: Filtern Sie alle Meteoinformationen nach diesen fünf Kriterien. So erhalten Sie schnell Gewissheit, ob Sie unter komfortablen Bedingungen fliegen werden, oder ob allfällige Einschränkungen genauer zu beurteilen sind.
Mit zunehmender Erfahrung (Flugstunden!) erlangen Sie auch die Fähigkeit, das Wetter noch besser beurteilen zu können.
Zu diesen fünf Filter-Items finden Sie nachstehend ergänzende Hinweise:

 

Filter 1: "Wind"

Ab ca. 5'000 Feet GND (ca. 1'500 m) fliesst der Wind etwa isohypsenparallel (Karten!).
Darunter macht sich der Boden-Reibungseinfluss bemerkbar, der die Windstärke und die Corioliskraft beeinflusst. Es gilt in etwa (nördliche Halbkugel):

Höhe über GND Ablenkung Windstärke
1'500 m 3/3
500 m -10° 2/3
0 m -30° 1/3

Beispiel:
Fliesst der Wind auf 5'000 Feet mit 240°/ 30 Knoten, ist am Boden ein Wind mit 210° / 10 Knoten zu erwarten.
(Diese Abschwächung und Ablenkung findet in dieser Stärke nur über Land statt, über dem Meer ist sie vernachlässigbar klein)


Höhenwinde
Höhenwinde (ab ca. 5'000 Feet) dienen ausschliesslich der Groundspeed-Berechnung und der Bestimmung des Aufkreuzwinkels (Head-, Tail-, Crosswind). Auch ein starker Wind ist per se nicht gefährlich.
Er wird es erst, wenn er nicht mehr konstant laminar fliesst, also z.B. bei Turbulenzen. Letztere werden unter "Gefahren" (weiter unten) angegeben.

Bodenwinde
Für den Start / die Landung müssen Wind und Böen innerhalb der zulässigen Querwindkomponente des Flugzeugtyps liegen.

Turbulenzen
In der Regel sind Turbulenzen bis Moderate fliegbar, aber nicht alle Piloten und Passagiere haben Freude daran. Turbulenzen werden u.a. in GAMET / AIRMET / SIGMET prognostiziert, bzw. gemeldet.

Windscherungen (Windshears)

Vertikale Windscherungen
Sinkt / steigt ein Flugzeug - und gerät es in eine vertikale Windscherung - weht der Wind plötzlich aus einer anderen Richtung, evtl. mit anderer Stärke. Bewegt sich das Flugzeug zudem an Geschwindigkeits- und/oder Leistungsgrenzen (Start / Landung), kann es - wegen plötzlichem Abfall der True Air Speed - zu Höhenverlusten (Stall!) kommen. Dies kann in Bodennähe (unterhalb ca. 1'600 Feet GND) sehr gefährlich werden.

Vertikale Windscherungen treten an Inversionen (z.B. bei Hochdrucklage) auf.

Vertikale Windscherungen sind auch bei Föhnlagen zu beobachten, wo die überströmende Warmluft die darunter liegende Kaltluft (mit anderer Windrichtung und -stärke) nicht auszuräumen vermag.
Im näheren Bereich von Gewittern überlagern sich die angesaugte Warmluft mit der abfallenden Kaltluft (Böenlinien), was ebenfalls zu extremen Windscherungen führen kann.

Horizontale Windscherungen
Hier ändert der Wind auf gleicher Höhe seine Richtung und Stärke. Dies ist u.a. durch Auf- und Abwinde bedingt (Berg-, Tal-, See-, Landwind).

 

Filter 2: "Sicht"

Die minimal erforderliche Sicht richtet sich nach dem navigatorischen Anspruch des Legs.
Sind keine optisch herausragende Auffanglinien vorhanden, empfehle ich für Flugschüler eine Mindestsicht von 8 km.
Mit 90 KT Groundspeed (z.B. Cessna 152) wird dieser Bereich in weniger als drei Minuten durchflogen.

 

Filter 3: "Wetter"

Verschiedene Wetterphänomene beeinträchtigen einerseits die Sicht, andererseits auch die Sicherheit.
Hier ist immer die Umfliegbarkeit bzw. die Umkehrmöglichkeit zu prüfen. Generell kann gesagt werden, dass normaler Regen RA - sofern die Sicht in akzeptablem Rahmen liegt - kein Flughindernis sein sollte.

 

Filter 4: "Wolken"

VFR sind besonders tiefliegende Wolken (unter 1'500 Feet GND) gefährlich, da sie unter Umständen das Terrain grossflächig verdecken.
Generell ist das private VFR-Fliegen on Top erlaubt; bei Verwendung einer Single Engine aber ist ein möglicher Motorausfall in die Beurteilung mit einzubeziehen.

 

Filter 5: "Gefahren"

Die Gefahren (Turbulenzen/Böen, Gewitter, Vereisung) werden jeweils prognostiziert bzw. aktuell gemeldet. Bei GAMET / AIRMET / SIGMET ist zu prüfen, ob die durchflogenen Bereiche betroffen sind oder nicht.
Sind keine Gefahren erkennbar, wird das in der Motorflugprognose und im GAMET explizite erwähnt. 

"Flugwetter"
Ein ausgezeichnetes Werk von K.H. Hack,
für PPL-, CPL- und
ATPL-Piloten.
Ich empfehle dieses Buch speziell für die nachträgliche Vertiefung und Erweiterung des gelernten Basiswissens